"Sage nicht, ein Pass sei unüberwindlich;
wenn du hinaufsteigst, kannst du ihn überwinden.
Sage nicht, es ist weit, ihr könnt es nicht erdulden;
wer geht, langt auch an. " Mongolisch
Warum spielt Vertrauen in der Lerntherapie so eine große Rolle?
Kinder, die sich mit ihren Eltern an einen Lerntherapeuten wenden, empfinden sich nicht selten als diejenigen, die an der vertrackten Situation in der Schule und zu Hause schuld sind. Sie erkennen zumeist das beharrliche Bemühen ihrer Eltern oder eines Elternteils um Besserung ihrer schulischen Leistungen durch beständiges Üben, haben aber das Vertrauen in diese Methode zunehmend verloren, weil offensichtlich die Lernerfolge in keinem zu rechtfertigendem Verhältnis zur Dauer und Intensität des Übens liegen. Dies führt zum Verlust des Vertrauens in die eigenen Handlungen, wohl auch besonders auf Grund dessen, weil die Eltern in aller Regel mit zunehmendem Unverständnis auf das Scheitern dieser Methode reagieren.
Das möglicherweise von Eltern und Kind als gescheitert empfundene gemeinsame Bemühen, geht auch häufig einher mit einem Verlust der Vertrauensbasis zwischen den Beteiligten. So glauben die Kinder, es den Eltern nicht "Recht" machen zu können, also der eigentliche Versager in der Familie zu sein. Aus elterlicher Sicht verfestigt sich die Vermutung (die sie ja vielleicht schon oft in den Elterngesprächen in der Schule hören mussten), dass ihr Kind entweder nicht wolle oder eine generelle Lernschwäche habe.
Die Ursachen für eine Zerrüttung dieser Vertrauensbasis sind sehr vielschichtig. Sie können auf einer gewissen Ratlosigkeit der Eltern beruhen oder auch auf ihrem Eingeständnis hoher eigener schulischer Erwartungen an das Kind, an deren Erfüllung sie selbst durch das soziale Umfeld bezüglich ihrer elterlichen Fähigkeiten gemessen werden. Selbstzweifel der Eltern oder eines Elternteils bezüglich der Rolle, die das Kind im Familienleben spielt, sind ebenso anzutreffen, wie Hinweise auf familiäre Situationen, die zumindest als Erklärungsversuche für elterliches Handeln bzw. Befindlichkeiten des Kindes aus Sicht der Eltern dienen könnten.
Den Eltern beistehen, ihnen zu verdeutlichen, dass nur gegenseitiges Vertrauen innerhalb der Familie, das allen Beteiligten Bemühungen zugesteht und abverlangt, ist ein wichtiger Aspekt lerntherapeutischen Arbeitens.
Das Vertrauen des Kindes zum Therapeuten aufzubauen, das Selbstvertrauen des Kindes wieder herzustellen und zu entwickeln sind fundamental für das Gelingen der Therapie.
Therapeutische Kommunikation geht weit über Ratschläge hinaus, die auf solchen Aufforderungen beruhen, wie "mit etwas Willensstärke" könne man seine Lage verbessern (vgl. Watzlawick, P., u. a.: Menschliche Kommunikation, Verlag Hans Huber, 1990, S. 220).
Beim Rechnen, Schreiben oder Lesen nutzt das Kind in der Regel subjektive Strategien oder verwendet in auftretenden Problemsituationen spontan ihm bekannte Strategien, ohne deren Adäquatheit zu prüfen oder prüfen zu können. Die therapeutische Aufgabe besteht nun im Aufzeigen der Stärke der vom Kind verwendeten Verfahren in Bezug auf geeignete Aufgaben oder Probleme und die Ermunterung zum gemeinsamen Auffinden und Entwickeln ihm zugänglicher Vorgehensweisen und deren Ausbildung zu Fertigkeiten.